Die Landverheißung für Israel

Die Frage, wem das Land Israel, Palästina, oder Kanaan gehört, ist eine Schlüsselfrage des Nahostkonflikts. Was sagt die Bibel dazu? Viele Christen empfinden die Landverheißung als ein Randthema. Gibt es nicht Wichtigeres, als sich mit dieser Frage zu beschäftigen? Die Frage der Landverheißung hat nicht viel zu tun mit der christlichen Glaubenswirklichkeit, wie sie heute vielfach praktiziert wird. Christen denken oft individualistisch. Für sie ist ihr Seelenheil und ihr persönliches Wohlergehen wichtig. Da stört ein Thema wie die Landverheißung. Sie verweist auf den Gott Israels, der die Weltgeschichte umkrempelt. Das klingt fremd für christliche Ohren, dabei ist es zutiefst biblisch. Die Landfrage ist auch eine „Anfrage“ an die christliche Theologie. Kann diese richtig sein, „wenn sie einen so zentralen Aspekt wie die Landverheißung nicht integrieren kann – oder will?“ (W. Kraus, „Eretz Israel. Die territoriale Dimension in der jüdischen Tradition als Anfrage an die christliche Theologie.“)

Ursprung der Landverheißung ist das Versprechen Gottes an Abraham: „Dir und deinen Nachkommen will ich dieses Land auf ewig geben.“ (1. M. 13, 15) Diese Verheißung setzt sich fort über Isaak und Jakob bis hin zu Israel. Sie ist Gabe Gottes und Bestandteil des Bundes. Sie ist letztlich nicht an ein Wohlverhalten Israels geknüpft und ist damit unauflösbar, gültig bis heute. Gott verspricht Israel nicht nur das Land, er schwört sogar bei seinem Namen. (2.M. 6, 8) Auf dem Land liegt somit eine Bestimmung Gottes. 

Das Land gehört Gott, er ist der Eigentümer (Jer. 2, 7; 3. M. 25, 23). Er macht es zu einem Gegenstand der Heilsgeschichte. Sein Plan mit Israel – dem Land und dem Volk – besteht darin, daß Israel eine heilige Nation werden soll. (2. M. 19, 6; 5. M. 26, 18 f.) Eine Nation braucht ein Land. Volk und Land gehören zusammen. Gott selbst will sich durch die Landverheißung verherrlichen. Sie ist Bestandteil der Erwählung Israels, als Nation zum Segen der Welt zu werden. Auch das Fehlverhalten Israels kann die Verheißungen nicht aufheben. Israel ist das Eigentumsvolk Gottes. Folglich hat er es nicht verstoßen. „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.“ (Röm. 11, 2) Gericht hat bei Gott nicht das letzte Wort. Die Propheten verheißen ein Ende des Gerichts und die umfassende Wiederherstellung Israels, geistlich wie als Nation.

„Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.“ (Jes. 54, 8)

„Aber wenn ich sie ausgerissen habe, will ich mich wieder über sie erbarmen und will einen jeden in sein Erbteil und in sein Land zurückbringen.“ (Jer. 12,15)

„Denn der HERR wird sich über Jakob erbarmen und Israel noch einmal erwählen und sie in ihrem Land wieder ruhen lassen. Und Fremdlinge werden sich zu ihnen gesellen und dem Hause Jakob anhangen. Und die Völker werden Israel nehmen und an seinen Ort bringen, und dann wird das Haus Israel sie als Knechte und Mägde besitzen im Lande des HERRN.“ (Jes. 14, 1-2)

Seit 1948 gibt es wieder einen Staat Israel. Realisiert durch die Völkergemeinschaft, mit einem völkerrechtlich verbrieftem Existenzrecht, gleichzeitig auf biblischer Grundlage, ermöglicht durch Gottes Einwirken auf die Geschichte. Ein einzigartiger Vorgang in der Menschheitsgeschichte. 

„Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat«, sondern: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten geführt hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Ländern, wohin er sie verstoßen hatte.« Denn ich will sie zurückbringen in ihr Land, das ich ihren Vätern gegeben habe.“ (Jer. 16, 14-15)

„So spricht Gott der HERR: Ich will euch zusammenbringen aus den Völkern und will euch sammeln aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid, und will euch das Land Israels geben.“ (Hes.11, 17) 

Die Sammlung Israels im verheißenen Land nach fast 2000 Jahren Diaspora darf zu Recht als Erfüllung biblischer Endzeit-Prophetie gelten. Sie ist sichtbarer Beleg für die Treue Gottes und die Wahrhaftigkeit seines Wortes, auch gegen alle Widerstände. Gott versagt nicht, er erreicht seine Ziele. Das gibt Zuversicht, daß Gott auch seine noch ausstehenden Verheißungen erfüllen wird. Wer von einem „geistlichen Israel“ spricht, leugnet diese zentralen biblischen Wahrheiten und lästert damit den Namen Gottes. Die heilgeschichtlichen Verheißungen werden im NT übernommen und fortgeführt. Nach Röm. 15, 8  ist der Messias ein „Diener der Juden“ geworden, um die den Vätern gegebenen Verheißungen zu bestätigen. Das schließt die Landgabe mit ein.

Über die Wiederherstellung Israels im Land Israel soll letztendlich die ganze Welt zum Gott Israels finden. Deshalb haben das Volk und das Land zentrale Bedeutung in Gottes Heilsplan. Das sollten Christen verstehen, bejahen und im Glauben umsetzen. Der Gott Israels wird zum Gott aller Völker. Am Ende wird sich jedes Knie beugen müssen vor dem Messias Israels. (Philipper 2, 10)