Wachsender Antisemitismus in Deutschland

Der Antisemitismus in Deutschland erlebt eine neue, traurige Blütezeit. Die Politik zeigt sich wieder einmal geschockt, außer schönen Worten unternehmen Politiker aber nichts. Nicht nur auf den Straßen Berlins, Düsseldorfs, Hamburgs und Münchens offenbart sich ein unverhohlen verbalisierter, gelegentlich auch tätlicher Antisemitismus, sondern auch im Auswärtigen Amt und dessen diplomatischen Korps.

Während Außenminister Maas dem Berliner Rabbiner Yehuda Teichtal gegenüber  Mitgefühl und Solidarität ausdrückte, schwelt unter den Diplomaten seines Hauses ein antisemitischer Brand: Deutschlands UNO-Botschafter Christoph Heusgen verglich Anfang April auf infame Weise israelische Bulldozer, die illegal errichtete palästinensische Gebäude demolieren, mit terroristischen Raketenangriffen der Hamas auf Israels Zivilbevölkerung. Sein Kollege Bernd Erbel, ehemaliger deutscher Botschafter in Teheran, musste von seinem angestrebten Amt als Chef von Instex, dem neugegründeten Warentausch-Mechanismus der E3 (Deutschland, Frankreich und Großbritannien) zur Umgehung amerikanischer Sanktionen gegen den Iran zurücktreten. Erbel hatte in einem Interview mit dem Holocaustleugner Ken Jebsen den jüdischen Staat als „mehr als einen Fremdkörper in der Region“ und die Palästinenser als „Opfer unserer Opfer“ bezeichnet. Daneben lobte er die Hisbollah für ihren bewaffneten Widerstand gegen Israel und verteidigte das iranische Raketenprogramm. Christian Clages, Leiter der deutschen Vertretung in Ramallah, hingegen likte über den offiziellen Twitteraccount @GerRepRamallah derart regelmäßig antiisraelische und antisemitische Beiträge, dass sich das Auswärtige Amt zu einer offiziellen Stellungnahme genötigt sah und personelle und dienstrechtliche Konsequenzen zog.

Weiterführende Informationen:

https://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/wie-der-deutsche-uno-botschafter-israel-mit-der-hamas-gleichsetzte/

https://www.bild.de/politik/ausland/politik-inland/instex-deutscher-ex-diplomat-stolpert-ueber-skandal-auftritte-bei-youtube-63841386.bild.html

https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/ramallah-disziplinarmassnahmen-gegen-top-diplomaten-christian-clages-63640936.bild.html

Die Behörden verzeichneten im Jahr 2018 62 Angriffe auf Juden. Das bestätigte die  Bundesregierung. Bei den gezählten Gewaltdelikten wurden demnach 43 Personen verletzt. Zudem erhöhte sich die Zahl der judenfeindlichen Straftaten insgesamt um zehn Prozent.

„Die Bekämpfung des Antisemitismus auf europäischer Ebene sollte eine Priorität der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr werden“, fordert der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, beklagt einen zunehmenden „sekundären Antisemitismus“ in Deutschland. Es gebe in der Bundesrepublik nicht nur den klassischen Antisemitismusvon Alt- und Neonazis, sondern auch einen „abnehmenden Respekt“ der Mehrheitsgesellschaft für Juden, sagte Lehrer. Dies äußere sich in „Schuld- und Erinnerungsabwehr“. Dabei würden etwa übertriebene Formen des Holocaustgedenkens kritisiert.

Dazu komme immer öfter Hass auf Israel. „In unserem Land darf es wirklich nicht so weit kommen, dass sich Juden von Israel distanzieren müssen, um von dieser Gesellschaft akzeptiert zu werden“, sagte Lehrer. Die Juden in Deutschland seien froh darüber, heute in einem Staat zu leben, der jüdisches Leben schütze. Hier gehörten persönliche Freiheit und Religionsfreiheit zu den Grundrechten. Hinter der Kritik an Israel versteckt sich heute oft Antisemitismus, sagt der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn.

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